"Kommunikation und Krise - Wie Entscheider Wirklichkeit definieren" von T. Oltmanns u.a. (Hrsg.)
Gabler Verlag, 1. Auflage Aug. 2009, 190 Seiten, ISBN: 3834917397.
Rezension von Silke Holzmann, 08/2011
Praxisnutzen: ***
Konzeptionell: ***
Theoretische Relevanz: **
Viele Köche verderben den Brei? Das Fachbuch „Kommunikation und Krise – Wie Entscheider Wirklichkeit definieren“ der Herausgeber Torsten Oltmanns, Michael Kleinaltenkamp, Michael Ehret beweist genau das Gegenteil. Die Vielzahl der unterschiedlichen Autoren aus den drei Bereichen Wissenschaft, Meinungsmache und Praxis geben dem Fachbuch seine Würze. Wie Entscheider ihre Realität konstruieren, zeigen beispielsweise Wissenschaftler wie Ivo Hajnal, Dietmar Fink oder Jürgen Hogrefe. Die Autoren sehen sich täglich mit dieser Fragestellung konfrontiert und liefern ein authentisches Bild. Die 13 Artikel punkten inhaltlich und konzeptionell und darüber hinaus durch Aktualität, Prägnanz sowie durch eine Mischung aus Theorie und Praxis. Das Fachbuch eignet sich für Akademiker und Praktiker, aber auch Einsteiger, die sich dem Thema Kommunikation und Krise aus unterschiedlichen Perspektiven nähern möchten.
Der Beitrag von Matthias Machnig überrascht durch seine Offenheit zum Thema „Möglichkeiten und Grenzen politischer Kommunikation“. In Europa orientieren sich Wahlkämpfe immer stärker an amerikanischen Vorbildern. Image- und Eventagenturen erarbeiten beispielsweise von Medien getragene Kampagnen. Machnig zeigt in seinem Artikel auf, dass sich Politik nicht wie ein Konsumgut bewerben lässt und stattdessen eigenen Regeln folgt. Er arbeitet die Besonderheiten der politischen Kommunikation und deren einzigartige Wettbewerbssituation heraus. Aufgrund seines beruflichen Backgrounds betrachtet er das Thema aus der Sicht eines Politikers und gleichermaßen aus der eines Kommunikations- und Unternehmensberaters. Machnig verfügt über jahrelange Erfahrung in Führungspositionen verschiedener politischer Bereiche z. B. als Wirtschaftsminister von Thüringen, Staatsekretär und Bundesgeschäftsführer der SPD. Andererseits sammelte er Erfahrungen als Kommunikations- und Unternehmensberater bei BBDO Consulting, als Mitglied der Geschäftsleitung der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton sowie als selbstständiger Unternehmensberater.
Zentrale Themen in Machnigs Artikel sind die politischen Kommunikation im Allgemeinen, die Elemente erfolgreicher Medienarbeit sowie das Thema Strategie. Die Strategie ist für Machnig eine Steuerungsressource im machtpolitischen Spiel. So widmet er sich in seinem Beitrag dem Strategieparadoxon, dem Strategiezentrum von Parteien sowie der Strategiefähigkeit von Politik. Außerdem zeigt er auf, wie politische Parteien mit Hilfe einer Kommunikationsstrategie ihre Mehrheitsfähigkeit steigern können. Erfahrung mit strategischer Kommunikation im Wahlkampf hat Machnig als Leiter des Vorstandssekretariats und Koordinator der SPD-Wahlkampfzentrale. Er war unter anderem mitverantwortlich für die Kampagnen zur Bundestagswahl 1998 und 2002. Die Süddeutsche Zeitung beschreibt ihn in dieser Funktion als „Maschinist der Macht“ (13. März 2002) und die Zeit „der Stimmenjäger“ (14. Februar 2002). Anhand der letzten US-amerikanischen Präsidentschaftswahl verdeutlicht er, wie Themen mit einer Botschaft, Leadership und Strategiefähigkeit zu besetzen sind und wie sich Deutungshoheit über Themen gewinnen lässt. Die Themenauswahl sei der erste Schritt der politischen Kommunikation. Diese Themen zu besetzen und zu transportieren seien die nächsten Schritte im Kommunikationsprozess. Er appelliert, dass Parteien Klarheit brauchen, was Gewinner-, Positions- und Verliererthemen sind.
Der Beitrag von Machnig überzeugt nicht nur inhaltlich, sondern auch durch seinen strukturierten Aufbau. Die Themen sind in kleinere Kapitel unterteilt, die logisch aufeinander aufbauen. Außerdem schreibt Machnig nicht um den heißen Brei herum, sondern konzentriert sich auf einige Kernaussagen, die er detailliert ausführt. So appelliert er, dass das Dreieck aus administrativer, politischer und kommunikativer Logistik beherrscht werden müsse und dass nur die Kombination aller Elemente zum Sieg im Wahlkampf führe. Ferner gelänge zielgerichtete politische Kommunikation nur, wenn die vier Ks – Kompetenzklarheit, Koordination der Akteure, Konzentration auf die zentralen Themen und Kontroversen zur symbolischen Aufladung von Wertefragen verbunden würden.
Fazit: Ein aktuelles, prägnantes und leserfreundliches Fachbuch, das vor allem durch die Betrachtung des Themas „Kommunikation und Krise“ von unterschiedlichen Perspektiven punktet. Ein „Leckerbissen“ nicht nur für Kommunikationsfachleute.
Die Rezensentin
Silke Holzmann ist seit fünf Jahren Marketingkoordinatorin in einer Autohandelsgruppe im Rhein-Main-Gebiet. 2006 hat sie das PR PLUS-Studium mit der DPRG-Prüfung zur PR-Beraterin abgeschlossen. Zuvor arbeitet sie als freie Journalistin bei verschiedenen Tageszeitungen, unter anderem für die Frankfurter Rundschau, aber auch bei einer PR Agentur. Sie studierte Betriebswissenschaften im Fachbereich Medien- und Kommunikationswirtschaft an der Berufsakademie Ravensburg und absolvierte die praktische Ausbildung in einem Offenburger Medienunternehmen.

