"Kommunikationsfeld Strom, Gas und Wasser" von Claudia Mast, Helena Stehle und Florian Krüger
LIT Verlag, 1. Auflage 2011, 205 Seiten, ISBN 978-3-643-11284-2
Rezension von Katja Bickelhaupt, 01/2012
Konzeptionell: *
Praxisnutzen: **
Die Publikation „Kommunikationsfeld Strom, Gas und Wasser – brisante Zukunftsthemen in der öffentlichen Diskussion” untersucht die Kommunikation der Energieversorger mit ihren Zielgruppen aus verschiedenen Blickwinkeln.
Nach einer ausführlichen Hinführung zum Thema im ersten Kapitel schließt sich eine Befragung von Experten im zweiten Teil an. Eine Inhaltsanalyse zur Berichterstattung über Energiethemen in Tageszeitungen folgt. Das vierte Kapitel wertet die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter Verbrauchern in Baden-Württemberg aus. Im Schlusskapitel wird der Bogen zu der Reaktorkatastrophe in Japan geschlagen, die im März 2011 die Risiken der Kernkraft zu einem dominierenden Thema der Nachrichten werden ließ.
Das häufig schlechte Image der Energieversorger und die teils hochkomplexen Themen und Zusammenhänge stellen die PR-Verantwortlichen vor eine schwierige Aufgabe. Daher ist eine zielorientierte und strategische Kommunikation im Energiesektor extrem wichtig.
Im Rahmen der Teilstudie „Befragung von Multiplikatoren“ wurden 2009 insgesamt 40 Energieexperten aus Wirtschaft, Politik, Medien, Wissenschaft und Interessenverbänden befragt.
Im Wesentlichen ging es um Leitthemen und zentrale Akteure der öffentlichen Diskussion. Interessant dabei ist, dass die Experten gleichermaßen als Wissensträger und aktive Meinungsführer agieren.
Es wird deutlich, dass zu Energiethemen wenig Diskussion stattfindet, da es sich häufig um so genannte „Glaubensfragen“ handelt, bei denen es ein deutliches Pro und Kontra gibt, aber wenig Graustufen dazwischen.
Interessant für den Leser sind sicherlich die Äußerungen der verschiedenen Meinungsführer übereinander. Vertretern von Interessenverbänden wird beispielsweise die Erwartungshaltung seitens der Medien aufgezeigt, und sie können darauf strategisch reagieren.
Für Journalisten wiederum ist es hilfreich zu erfahren, welche Medien von den Multiplikatoren vorrangig zur eigenen Information genutzt werden.
Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse am Ende der Kapitel ist wünschenswert, eine etwas kürzere Variante als die hier gewählten vier bis fünf Seiten hätte die Orientierung des Lesers etwas erleichtert.
Der Ausblick in Form von griffigen Ansatzpunkten für eine Neuorientierung der Kommunikationsarbeit versöhnt im Anschluss aber wieder.
Die Analyse der Zeitungsberichterstattung in Kapitel 3 wurde ebenfalls in 2009 vorgenommen und umfasst 833 Beiträge aus baden-württembergischen und überregionalen Zeitungen von der FAZ über das Handelsblatt bis zur BILD.
Dieses Kapitel ist für die Unternehmen der Energiewirtschaft, für Politiker sowie die Interessenverbände besonders interessant, da es die Bedeutung und Darstellung energierelevanter Themen in den Medien durchleuchtet.
Die überwiegend positive Wertung seitens der Journalisten bei Artikeln zu erneuerbaren Energien gegenüber negativen Darstellungen von Kernkraft-Themen stellen hier keine Überraschung dar, machen aber deutlich, wo angesetzt werden muss.
Ein sehr wichtiges Ergebnis aus der Bevölkerungsumfrage im vierten Kapitel verkörpert die Bevorzugung lokal agierender Stadtwerke seitens der Verbraucher. Von ihnen wünschen sich die Kunden eine wahrnehmbarere Stimme und mehr Einfluss auf die öffentliche Diskussion von Energiethemen.
Für die Mitarbeiter von Energieversorgern wäre es hilfreich gewesen, noch detailliertere Aussagen zu den Umfragergebnissen zu erhalten. Es wird zwar im Text auf die Aufspaltung der Ergebnisse nach beispielsweise Altersgruppen eingegangen, aber die Darstellung in einer Tabelle oder Graphik wäre eine gute Ergänzung gewesen.
Das Schlusskapitel ergänzt die Erkenntnisse aus der Untersuchung von 2009 um Schlussfolgerungen aus den Geschehnissen in Fukushima 2011.
Mit 62 eigens erstellten Abbildungen kann man den Autoren nicht vorwerfen, an der Anschaulichkeit gespart zu haben. Bei manchen Abbildungen erschließt sich dem Leser jedoch nicht unmittelbar ein Mehrwert an Erkenntnis. Abbildung 2 zeigt beispielsweise, dass es einen gewissen Anteil an Bürgern bzw. Medienkonsumenten gibt, die offenkundig keinerlei Energie verbrauchen: eine schwer zu glaubende Feststellung. Ein anderes Beispiel sind für den Leser verwirrende unterschiedliche Grauschattierungen für die gleiche Ausprägung in direkt aufeinander folgenden Graphiken.
Von ein paar Ausnahmen abgesehen, stammen die meisten Quellenangaben – darunter viele Internet-Links – aus den zurückliegenden fünf Jahren.
Das Layout des Fachbuches ist angenehm und die Schriftgröße gut lesbar. Das Abbildungsverzeichnis erleichtert die Orientierung des Lesers. Lediglich zu Beginn des einführenden Kapitels irritiert die etwas leseunfreundliche Integration von Quellenangaben in den Text, und man wünscht sich die guten alten Fußnoten zurück.
Die Sprache ist der Zielgruppe angemessen gut verständlich und nicht abgehoben.
Das Fachbuch richtet sich an Praktiker aus den Bereichen der Versorgungswirtschaft sowie an Politiker und Medienvertreter. Diese können aus den Ergebnissen der ausführlichen Untersuchung in 2009 und der Überleitung zu den aktuellen Geschehnissen in 2011 vielfältige Erkenntnisse für ihre Arbeit ableiten.
Die Rezensentin
Die Volkswirtin Katja Bickelhaupt arbeitet seit 2001 als Projektleiterin im Risikomanagement des internationalen Spezialfinanzierers DVB Bank SE.
In den Jahren 2002 bis 2004 absolvierte sie berufsbegleitend das PR PLUS-Fernstudium in Heidelberg, welches sie mit der Prüfung vor der DPRG abschloss. Von 2005 bis 2008 war sie ehrenamtlich als Pressesprecherin für den Bezirk Frankfurt von amnesty international tätig.

