„Bierzelt oder Blog? Politik im digitalen Zeitalter“ von Andreas Elter
Hamburger Edition HIS Verlagsgesellschaft. 1. Auflage, März 2010, 138 Seiten. ISBN: 978-3-86854-216-5.
Rezension von Sebastian Wuwer, 09/2010
Praxisnutzen: *
Konzeptionell: *
„Bierzelt oder Blog?“ Auf diese Frage verkürzt Prof. Dr. Andreas Elter im Titel seines Buches die Diskussion, auf welche Kanäle und Instrumente der Public Relations Politiker und Wahlkampfstrategen im Zeitalter der Neuen Medien setzen sollten. Bringen altbewährte Mittel politischer Überzeugungsarbeit, wie etwa die Festzeltrede, am Wahltag noch immer den gewünschten Erfolg? Oder sind es zunehmend neue, dialogorientierte und personalisierte Formen der politischen Kommunikation im Web 2.0, mit denen sich möglichst viele Wählerinnen und Wähler erreichen lassen? Spannende Fragen, auf die das Buch leider kaum neue Antworten zu bieten hat. Da der Autor explizit für ein Massenpublikum ohne spezifisches Fachinteresse schreibt, sind seine Ausführungen zum Bundestagswahlkampf 2009 sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler im Feld politischer Kommunikation nicht mehr als eine Momentaufnahme ohne zusätzlichen Erkenntnisgewinn.
Allzu sehr konzentriert sich der Medienwissenschaftler Elter auf die bloße Beschreibung der kon-kreten Internetauftritte von Spitzenkandidaten und Parteien im Bundestagswahlkampf 2009, ohne diese Beobachtungen kritisch in die aktuelle Debatte zum Thema einzuordnen und auch die ausdifferenzierten Erscheinungsformen der traditionellen Instrumente von Wahlkampfkommunikation zu berücksichtigen. Zwar lässt er in der zweiten Hälfte des Buches Blogger und Medienmacher zu Wort kommen, jedoch erfolgt auch diese Wiedergabe von Meinungen und Stellungnahmen allzu unreflektiert und über weite Strecken lediglich deskriptiv.
Die „Collage“ aus Beobachtungen, Zitaten und Statistiken ist als Heranführung an das Thema konzipiert, damit jedoch kann der Autor, wenn überhaupt, tiefer gehende Forschungs- wie auch Praxisfragen nur oberflächlich berühren. Während er zu Beginn den US-Wahlkampf von Präsi-dentschaftskandidat Barack Obama als Ausgangspunkt für einen Wandel in der Wahlkampfkom-munikation (von einseitiger Informationsvermittlung hin zur dialogbasierten Netzwerkbildung) charakterisiert, stellt er seine anschließenden Betrachtungen zum Bundestagswahlkampf nur selten explizit in diesen Kontext. Zumindest lassen die Ausführungen erahnen: Auch zukünftig werden neue Formen der Wahlkampfkommunikation die klassischen Kanäle und Instrumente nicht ersetzen. Erstens haben die politischen Akteure in Deutschland die Möglichkeiten des Internets bislang nur ansatzweise erprobt. Zweitens lässt sich über die Neuen Medien bislang nur eine relativ überschaubare Teilgesamtheit aller Wählerinnen und Wählern erreichen. Und drittens lassen sich Wahlkampfstrategien ohnehin nicht ohne größere Anpassungen zwischen unterschiedlichen politischen Systemen transferieren.
So gelangt Elter zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass Onlinemedien von Politikern und Parteien im Bundestagswahlkampf 2009 deutlich stärker zur einseitigen Information als zur Inter-aktivität mit den Wählerinnen und Wählern genutzt wurden. Mit anderen Worten: Der Weg zum Wahlerfolg führt für Politiker auch weiterhin wohl nicht ums Bierzelt herum.
Fazit: Da das Buch für ein politisch interessiertes Massenpublikum ohne Vorkenntnisse geschrieben ist, taugt es nur bedingt zur detaillierten wissenschaftlichen oder praktischen Beschäftigung mit den Ausprägungen und Herausforderungen der Wahlkampfkommunikation. Es ist als eine Momentaufnahme der politischen Online-Kommunikation aus dem Bundestagswahlkampf 2009 zu verstehen und auch so zu lesen.
Der Rezensent
Sebastian Wuwer ist Angestellter im Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landtags Nordrhein-Westfalen und dort als Referent für die Europa-Kommunikation tätig. Zuvor studierte Wuwer im Bachelor- und Masterstudiengang Politik- und Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, war erster PR-Trainee in der Verwaltung des nordrhein-westfälischen Landesparlaments und konnte sein berufsbegleitendes Studium bei PR PLUS im März 2009 als akademisch geprüfter PR-Berater abschließen. Er war außerdem als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Bundestag sowie als freier Journalist für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) tätig.

