Rezensionen

'YouTube und seine Kinder. Wie Online-Video, Web TV und Social Media die Kommunikation von Marken, Medien und Menschen revolutionieren' von Achim Beißwenger

Nomos Verlagsgesellschaft/Edition Reinhard Fischer, 2010.  283 Seiten, ISBN: 978-3-8329-5241-9
 

Rezension von Katja Bickelhaupt (04/2010)


Praxisnutzen: **
Konzeptionell: **

„Youtube und seine Kinder“ setzt sich zum Ziel, einen praxisnahen Einblick in die Herausforderungen, Einsatzgebiete und das Management von Bewegtbildern im Internet zu vermitteln. Die 16 Kapitel des Sammelbandes gliedern sich in die Bereiche „Einführung und Grundlagen“, „Einsatzgebiete und Case Studies“, „Gestaltungsmerkmale und Technologien“ sowie „Rechtsfragen und Ausblick“.

Einige der Beiträge wurden bereits im Vorfeld auf der Konferenz „Audiovisual Media Days 2009“ präsentiert, die der Herausgeber Achim Beißwenger ins Leben gerufen hat. Das Werk verdeutlicht, dass es derzeit zu einem historisch bedeutsamen Umbruch in der Mediennutzung kommt, die eine entsprechend durchschlagende Wirkung auf PR und Marketing nach sich zieht.

Die Bandbreite der Autoren erstreckt sich von Professoren zu Mitarbeitern in Industrieunternehmen, bei Providern oder in PR-Agenturen, wobei gleichermaßen die Nutzer wie auch die Anbieter zu Wort kommen. Ihre unterschiedlichen Werdegänge ermöglichen vielfältige Blickwinkel auf das Themengebiet.

Beißwenger hat sich ein sehr wichtiges und hoch aktuelles Thema ausgewählt, das einem permanenten Wandel unterworfen ist. Der Einfluss der online-Kanäle auf die Kommunikation nimmt stetig zu und ist einem fortlaufenden technischen und inhaltlichen Wandel ausgesetzt. Die Gefahr, dass das Werk bei Drucklegung bereits veraltet sein könnte, bewahrheitete sich glücklicherweise nicht.

Der Sammelband liest sich gut, und die Beiträge der Autoren liegen größtenteils auf einem hohen Niveau. Es ist ein wichtiges Buch, das genau zum richtigen Zeitpunkt erscheint. Das Layout ist übersichtlich und angenehm lesbar.

Leider enthalten nicht alle Kapitel eine Zusammenfassung, was den schnellen Zugriff auf Themen mitunter ebenso etwas erschwert wie das fehlende Stichwortverzeichnis. Auf die Beantwortung der Autorenfragen hätte der Leser vielleicht leichter verzichten können, da sie nach einigen Kapiteln etwas an Unterhaltungswert einbüssen.

Die Sprache des Werkes ist größtenteils auch für Fachfremde verständlich und verzichtet weitgehend auf unnötig viele Fachbegriffe. Dennoch wäre ein Glossar hilfreich, da einzelne Autoren zuweilen den internettechnisch weniger bewanderten Leser verlieren, der mit Begriffen wie „mid-rolls“ oder „cut-in-layer“ wenig anfangen kann.

Bedauerlicherweise fehlt vereinzelt die nötige Sorgfalt beim Erstellen von Tabellen und Abbildungen. Daher sind nicht alle Übersichten selbsterklärend oder unmittelbar zu begreifen.

Für Unternehmen, die mit der Bedeutung des Web 2.0 und der Bewegtbilder im Internet sowie deren Auswirkung auf die Unternehmenskommunikation noch nicht vertraut sind, stellt der Sammelband eine Pflichtlektüre dar. Aber auch jene, die bereits erste Erfahrungen gemacht haben, können von dem Werk profitieren.

Marken müssen sich zunehmend der Bewertung in den Social Media stellen, was durch das Heranwachsen der Generationen, die wie selbstverständlich mit dem Internet groß geworden sind, noch verstärkt wird. Daher kann sich kein Unternehmen der Thematik entziehen, ohne Gefahr zu laufen auf längere Sicht vom Markt verdrängt zu werden.

Nach der Lektüre dieses Sammelbandes kann kein Kommunikationsverantwortlicher mehr guten Gewissens sagen, dass er von dem derzeitigen Umbruch nichts gewusst habe. Auch wenn die Produzenten von Gebissreinigungsmitteln noch etwas mehr Zeit haben die Kommunikation mit ihren Zielgruppen zu überarbeiten, so sollten selbst sie den Einfluss der Social Media auf die bereits stark im Internet aktiven „Silver Surfer“ nicht außer Acht lassen.

Die Zielgruppe des Sammelbandes sind im wesentlichen Praktiker, aber auch Studierende der Kommunikationswissenschaften.

Die Rezensentin

Katja Bickelhaupt

Die Volkswirtin Katja Bickelhaupt arbeitet seit 2001 als Projektleiterin im Risikomanagement des internationalen Spezialfinanzierers DVB Bank SE.
In den Jahren 2002 bis 2004 absolvierte sie berufsbegleitend das PR PLUS-Fernstudium in Heidelberg, welches sie mit der Prüfung vor der DPRG abschloss. Von 2005 bis 2008 war sie ehrenamtlich als Pressesprecherin für den Bezirk Frankfurt von amnesty international tätig.

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